Archiv für Mai 2010

Die Sache mit dem Schuh

Sonntag, 30. Mai 2010

Noch einmal Miriam Meckel, aber man kommt an dieser Sache mit dem Schuh einfach nicht vorbei, sie geistert durch jede Talkshow, die sich mit dem Thema Burnout beschäftigt. Und zwar geht die Geschichte so: In der Therapiegruppe von Frau Meckel machen sie eine kleine Übung. Die Patienten sollen ihre Schuhe ausziehen und dann jeweils den rechten vor einem Gruppenmitglied platzieren, mit dem man gerne in Urlaub fahren möchte, den linken vor jemandem, bei dem man sich das überhaupt nicht vorstellen kann.

Frau Meckel hat am Ende zwei rechte, aber auch zwei linke Schuhe vor sich stehen, und diese zwei Antipathieschuhe die drücken natürlich schon. Wie kann denn das sein?

Den ersten linken Schuh erklärt die Besitzerin, eine etwas ältere Dame so: Sie hätte Angst, mit Frau Meckel in den Urlaub zu fahren, weil sie glaubt, mit so einer aktiven Begleiterin einfach überfordert zu sein. Eine „gute Erklärung“, findet Miriam Meckel. Mit dem zweiten linken Schuh dauert es ein bisschen. Deren Besitzerin offenbart erst zwei Tage später ihre Gründe: Sie könne deshalb unmöglich mit Frau Meckel in den Urlaub fahren, weil diese eben genau so sei, wie sie selbst immer sein wollte und es nie geschafft hat, und diesen Spiegel immer vor Augen zu haben, ist unerträglich. Miriam Meckel ist einfach zu perfekt.

Na schau. Ist ja noch mal gutgegangen.

Achtsamkeit

Freitag, 07. Mai 2010

Herr K. hat eine außerordentliche Karriere gemacht. Nach seinem Studium die Promotion in den USA, dann noch den MBA, danach ist er innerhalb kürzester Zeit aufgestiegen in das obere Management eines großen deutschen Finanzdienstleisters. Jetzt sitzt er mir gegenüber, sein Kehlkopf ist entzündet, seine Blutwerte jenseits von Gut und Böse. Jede Nacht wacht er schweißgebadet auf und morgens fürchtet er sich vor den Emails, die ihn in seinem Büro erwarten. „Sie immer mit Ihrer Achtsamkeit“, sagt Herr K. „In meinem Beruf geht das nicht. Wenn ich immer achtsam gewesen wäre, wäre ich heute nicht da, wo ich bin.“