Archiv für März 2010

Brief an mein Leben

Mittwoch, 31. März 2010

Miriam Meckel führt uns mit ihrem Buch hinters Licht. Sie stellt kleine philosophische Nebelkerzen auf, um uns die Sicht zu versperren. Sie gibt ganz die Cartesianische Intellektuelle und analysiert ihr Leiden technisch: Immer unterwegs zwischen Berlin und Sankt Gallen, zwischen China und Amerika, das macht Spaß, das ist ihr Leben, nur ist es irgendwann zuviel geworden. Die Maschine bekommt zuviel Input, sie läuft über und muss auf Reset gestellt werde.

Ich glaube das alles nicht. Warum macht sie es denn nicht weiter, wenn es so viel Spaß gemacht hat? Weil – davon bin ich überzeugt – das Ganze mit Spaß nichts zu tun hat. Miriam Meckels Handeln hatte eine Funktion. Es hatte die Funktion, ein bestimmtes Selbstbild aufrecht zu halten. Es hatte die Funktion, eine Mission zu erfüllen, auf die ihre Eltern sie geschickt haben. Es hatte die Funktion, eine Leerstelle ihrer Existenz auszufüllen. Keine Ahnung, worum es konkret dabei ging. Aber es hatte die Funktion, etwas wegzuschieben, das so unerträglich war, dass sie es mit aller Macht in Schach halten muss. Und je mehr sie es versucht, umso weniger kann es gelingen.

Ich frage mich nur: Führt sie nur uns hinters Licht oder auch sich selbst?

Miriam Meckel

Dienstag, 23. März 2010

Miriam Meckel ist zurzeit sicherlich das prominenteste Burn-out-Opfer und sie war gestern im Fernsehen, um über ihre Krankheit zu sprechen. Burn-out kann jeden treffen, den Gärtner genauso wie den Manager, erklärt sie ganz richtig. Was aber steckt dahinter? Schuld am Burn-out ist, so Miriam Meckel, dass sich in der heutigen Zeit die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem mehr und mehr auflösen. Und schuld ist die Allgegenwart von Information und Kommunikation. Da gibt es ja diese Blackberries, so Frau Meckel, und wenn man da in China aus dem Flugzeug steigt, kann man also gleich wieder telefonieren und seine Emails lesen. Miriam Meckel und die Moderatorin lachen sich wissend an, ja ja, die Moderatorin hat auch ein Blackberry, Frau Meckel hat inzwischen allerdings keines mehr aus den bekannten Gründen.

Da ist es wieder, das alte Vorurteil vom Jet-Set-Manager, der ausbrennt, weil er rund um die Uhr im Job ist und dabei nicht auf seine Grenzen achtet. Natürlich klingt das sehr überzeugend. Mit Burn-out hat es allerdings nichts zu tun.

Oder sagen wir mal so: Zumindest ist es nur an der Oberfläche wahr.

Ich habe die Sendung dann ausgeschaltet. Ich wollte nicht an einem Proseminar über die Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Gesellschaft teilnehmen. Ich wollte einer Frau zuhören, die eine schmerzliche Erfahrung gemacht hat.

Morgen kaufe ich mir ihr Buch. Vielleicht steht da ja drin, wie es wirklich war.

Nein, nein, keine Depression

Montag, 22. März 2010

Ein Bekannter hat mich heute angerufen. Sein Bruder hat einen Burn-out, sagt er. Eines morgens war er einfach nicht mehr in der Lage, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Depression? Nein, der Bruder hat keine Depression. Er hat eben einen Burn-out. Depressiv – das sind die Schwachen, Menschen, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen. Burn-out, das ist die Krankheit der Starken, der Leistungsträger, die sich einfach mal übernommen haben. Kann ja jedem passieren.

So hat er sich das gedacht.